Was Sie schon immer über die Künstlersozialabgabe wissen wollten

PRG Newsblog - Was Sie schon immer über die Künstlersozialabgabe wissen wollten?
14.06.2014 Know-how
Übersicht

Wer zahlt die Künstlersozialabgabe für wen und wer profitiert davon?

Generell gilt in Deutschland folgendes Prinzip:

WER IST VERSICHERT UND WER MUSS ZAHLEN?

Freiberufliche tätige Künstler und Publizisten (das sind zum Beispiel Journalisten, Grafikdesigner, Autoren), die mit ihrer künstlerischen oder publizistischen Tätigkeit maßgeblich ihren Lebensunterhalt verdienen, müssen gemäß Künstlersozialversicherungsgesetz der gesetzlichen Sozialversicherung beitreten. Die Beiträge zur Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung fließen an die Künstlersozialkasse (KSK) und von dort aus an die Träger der gesetzlichen Sozialversicherung (Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung). Die KSK bringt dabei ca. die Hälfte der Beiträge auf, indem sie die Verwerter der Leistungen der Künstler mit einer speziellen Abgabe belastet, der Künstlersozialabgabe (KSA). Den Betrag, der über diesen Weg nicht zusammenkommt, trägt der Bund. Die andere Hälfte tragen die Künstler selbst bei. Dieses Verfahren ähnelt der Lastenteilung, wie sie zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Rahmen der allgemeinen gesetzlichen Sozialversicherung gilt. Allerdings tritt die KSK nur als Mittlerin zwischen die Beteiligten. Der Vorteil für die versicherten Künstler und Publizisten ist, dass sie nur ca. 50 % der Sozialversicherungsbeiträge selbst aufbringen müssen, ähnlich wie fest angestellte Arbeitnehmer. Der Nachteil für die Verwerter als Auftraggeber der Künstler ist, dass sie eine Künstlersozialabgabe, das heißt eine Art indirekten „Arbeitgeberanteils“, zahlen müssen. Unternehmen, die Werke und Leistungen von Künstlern und Publizisten gegen Entgelt verwerten, das heißt Dritten zugänglich machen, zahlen eine (sich jährlich verändernde) Künstlersozialabgabe in Höhe von 5,2 % (Stand 2014). Dieser Satz ist auf die Netto-Honorare aufzuschlagen, die in einem Jahr an freiberufliche Künstler und Publizisten gegen Rechnung gezahlt wurden, und unaufgefordert an die Künstlersozialkasse zu überweisen.

WER GILT ALS VERWERTER?

Generell sind alle Institutionen, die Leistungen von Künstlern verwerten, zur Zahlung der Künstlersozialabgaben verpflichtet, Privatpersonen jedoch nicht. Also alle privatwirtschaftlichen Unternehmen und Betriebe, alle öffentlich-rechtlichen Körperschaften und Anstalten, Kulturämter, eingetragene Vereine (e. V.) und andere Personen- sowie Kapitalgesellschaften. Auch die steuerrechtlich anerkannte Gemeinnützigkeit ändert nichts daran, dass die Künstlersozialabgabe gezahlt werden muss.
Unterschieden wird dabei allerdings zwischen Unternehmen, die typischerweise als Verwerter künstlerischer oder publizistischer Werke oder Leistungen tätig werden, zum Beispiel

- professionelle Theater (ausgenommen Kinos), Orchester und Chöre,
- Veranstalter, Theater-, Konzert- und Gastspieldirektionen,
- Rundfunk- und Fernsehanbieter,
- Hersteller von Bild- und Tonträgern,
- Werbeagenturen, Varieté- und Zirkusunternehmen.

Zur Künstlersozialabgabe sind darüber hinaus auch Unternehmen verpflichtet, die für eigene Zwecke Werbung oder Öffentlichkeitsarbeit betreiben und dazu nicht nur gelegentlich Aufträge an selbstständige Künstler oder Publizisten erteilen. Dies geht aus der Generalklausel in § 24 des Künstlersozialversicherungsgesetzes (KSVG) hervor. Damit gehören praktisch alle verkaufsorientierten Unternehmen zu den Abgabepflichtigen nach dem KSVG. Es müssen im Jahr mindestens viermal selbstständige künstlerische oder einmal jährlich publizistische Leistungen für erlösorientierte Zwecke des Unternehmens in Anspruch genommen werden oder es muss eine andere Regelmäßigkeit vorliegen, beispielsweise eine jährlich wiederkehrende Inanspruchnahme. Dann muss eine KSA gezahlt werden.

WIE WIRD ABGERECHNET UND BEZAHLT?

Zur Berechnung der Abgabenlast müssen alle Zahlungen (ohne Umsatzsteuer), die ein Verwerter im Lauf eines Jahres an selbstständige Künstler und Publizisten leistet, aufgezeichnet und addiert und mit dem jeweils geltenden Abgabesatz multipliziert werden. Das Ergebnis ist die für das jeweilige Jahr zu zahlende Künstlersozialabgabe. Sämtliche Nebenkosten, die einem Künstler oder Publizisten gegen Rechnung erstattet werden (zum Beispiel Materialkosten, Transportkosten, nachgewiesene Reisekosten), müssen in diese Berechnung einbezogen werden. Zahlungen an Nichtversicherte sind dabei ebenso aufzuzeichnen und zu melden wie etwa Zahlungen an ausländische Künstler und Publizisten. Ein abgabepflichtiger Unternehmer ist nur dann nicht abgabepflichtig, wenn er an eine juristische Person zahlt, beispielsweise eine GmbH oder einen e.V.. In diesem Fall muss die juristische Person selbst die Abgabe leisten, wenn sie Künstler unter Vertrag hat.

Die Künstlersozialabgabe wird aufgrund der erstmaligen Meldung des abgabenpflichtigen Unternehmens bei der KSK erhoben. Zunächst entscheidet die KSK dabei über die Abgabepflicht. Bestand schon vor der Meldung die Pflicht zur Zahlung der Abgabe, so droht eine Nachbelastung für die der Meldung vorausgegangenen fünf Jahre. Sodann hat das abgabepflichtige Unternehmen jährlich die im abgelaufenen Jahr an selbstständige Künstler/Publizisten gezahlten Entgelte bis zum 31. März an die KSK zu melden. Übersteigt die Künstlersozialabgabe eine gewisse Höhe, so hat das Unternehmen monatliche Vorauszahlungen zu leisten.

ZUSAMMENFASSUNG: DIE ZWÖLF REGELN ZUR KÜNSTLERSOZIALABGABE

1. Die Künstlersozialabgabe zahlt immer derjenige Verwerter, der in direkter vertraglicher Beziehung mit dem Künstler oder dem Publizisten steht.
2. Der Verwerter zahlt die Künstlersozialabgabe auf all diejenigen Nettobeträge, die an den Künstler oder Publizisten gegen Rechnung ausgezahlt werden, also auf die Gage und etwaige vom Künstler in Rechnung gestellte Nebenkosten.
3. Typische Verwerter zahlen die Künstlersozialabgabe immer.
4. Sonstige Verwerter zahlen laut § 24 KSVG (der sogenannten Generalklausel) nur dann die Künstlersozialabgabe, wenn sie regelmäßig oder mindestens vier Mal im Jahr Künstler engagieren. Bei Publizisten reicht ein Engagement pro Jahr.
5. Künstlersozialabgabe wird nur bei öffentlichen Veranstaltungen fällig. Rein betriebs- interne Veranstaltungen fallen nicht unter die Abgabepflicht.
6. Zahlungen an Körperschaften oder Kapitalgesellschaften sind abgabenfrei.
7. Für die Abgabepflicht ist es unerheblich, ob der Künstler oder Publizist selbst Mitglied der Künstlersozialkasse oder Ausländer ist – Die Künstlereigenschaft wird besteuert, nicht die Mitgliedschaft in der KSK.
8. Auch die Ausländersteuer einschließlich Solidaritätszuschlag ist abgabepflichtig
9. Der Künstler ist für sich selbst nie künstlersozialabgabepflichtig; allerdings muss er Künstlersozialabgabe für freberufliche Künstler zahlen, die er gegen Honorar verpflichtet.
10. Die Künstlersozialabgabe darf nicht an den Künstler gezahlt werden; der Verwerter muss sie an die KSK überweisen.
11. Ausnahme 1 von der Abgabepflicht: Pauschal erstattete und ausgewiesene Steuerfreibeträge (zum Beispiel Verpflegungsmehraufwand/Kilometerpauschale) sind abgabefrei (Achtung: ausschließlich die gesetzlich festgelegten Steuerfreibeträge).
12. Ausnahme 2 von der Abgabepflicht: Ein Vertreter ist nur ausnahmsweise zur Künst- lersozialabgabe verpflichtet, und zwar dann, wenn der Vertragspartner des Künstlers nicht selbst abgabepflichtig ist.

 

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