Terry Cook: Lichtdesign bei Rock in Rio

15.06.2016 Festivals
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Terry Cook, Senior Lighting Designer bei Woodroffe Bassett Design (WBD), über seine Tätigkeit bei Rock in Rio, Lissabon.

Terry, du bist hier in Lissabon als Festival Lighting Designer vor Ort. Wie ist es dazu gekommen und was ist deine Rolle hier?

Terry: Woodroffe Bassett Design (WBD) war bereits 2014 als Lichtdesigner der Rolling Stones bei Rock in Rio Lisbon. Das Konzept des Festivals hat uns von Anfang an sehr gut gefallen. Es ist anders; nicht nur, dass es ordentlich und sauber ist sondern auch, dass es sich für die Umwelt engagiert.

2014 haben wir hier das Vater-Tochter-Team Roberto und Roberta Medina kennengelernt. Die Medinas sind für die Rock in Rio-Festivals in Lissabon, Las Vegas und Rio de Janeiro verantwortlich. Kurze Zeit später haben wir uns entschieden, zusammenzuarbeiten. Unser Ziel war es, das Festival mit seinen verschiedenen Bühnen und Locations einheitlicher zu gestalten. Über einen Zeitraum von drei Festivals hat WBD sich verstärkt mit diesem Thema befasst. Das erste Festival war Rock in Rio in Las Vegas und das letzte Festival ist dieses hier in Lissabon. Zu unserem neuen Konzept gehörte die Verbesserung des VIP-Erlebnisses sowie die Integration der kleineren Bühnen in den übergreifenden Rock in Rio Look & Feel. Wir haben zum Beispiel auf allen Bühnen einen sehr ähnlichen Hold-Look für den Fall, dass die Bühne mal nicht besetzt ist.

Hier in Lissabon ist WBD als Festival-Lichtdesigner vor Ort; wir sind zusammen mit PRG XL Video für die Bereitstellung aller Beleuchtungssystems verantwortlich. Bei diesem Festival kümmern wir uns gemeinsam um die Main Stage sowie zehn weitere Locations auf dem Festivalgelände. WBD hat noch viele weitere kreative Ideen in der Pipeline und ist gespannt was die Zukunft mit Rock in Rio bereithält.

Was sind die Faktoren, die deiner Meinung nach ein erfolgreiches Lichtdesign bei diesem Festival ausmachen?

Terry: Wir legen großen Wert darauf, dass das Lichtdesign und das Traversenlayout eine gute Lösung für alle Beteiligten sind. Für den Festivalveranstalter liefere ich ein Rigg, das genau in das vorgegebene Budget passt; für die Lichtdesigner der Bands liefere ich ein multifunktionales Rigg, das so einfach wie möglich für ihre eigenen Shows verwendet werden kann und den verschiedenen Ansprüchen gerecht wird.

Meiner Ansicht nach kann der Erfolg des Riggs an der Häufigkeit der Einbindung in die Show gemessen werden. Wenn sich die Lichtdesigner für das bestehende Festival-Rigg entscheiden und es nicht gegen ihr eigenes Rigg ausgetauscht wird, dann ist das ein Erfolg. Bis jetzt hat das gut geklappt und während der drei Festivals wurden die Traversen von allen Künstlern verwendet. Das war die Idee hinter dem Konzept, das wir für RiR entworfen haben.

Was ist dein Geheimnis für diesen Erfolg beim Lichtdesign?

Terry: Mein Geheimnis ist ganz einfach: ich hab nicht versucht zu kreativ zu sein. Ich habe das Lichtrigg nicht als mein Rigg angesehen sondern als unser Rigg gesehen. Ein Rigg, das für alle Beteiligten gut ist. Das Rigg ist ein “Standard Festival Set Up”; wir haben gerade Traversen im Dach und Lichtleitern als vertikale Elemente sowie ein wandlungsfähiges Floor Package. Es gibt keine komplexen Traversenanordnungen, die es den Lichtdesigner schwer machen, ihr Design für diese Bühne anzupassen. Es ist ein einfacher Look, der den Prozess für alle unkompliziert macht und dennoch eine tolle Show erlaubt.

Wie kommen die Anforderungen der verschiedenen Lichtdesigner für dieses Festival zusammen? Was sind die Abläufe?

Terry: WBD hat für Rock in Rio ein vorläufiges Lichtkonzept erstellt, das wir dem Management der Künstler zukommen lassen. Aus diesem können grundsätzliche lichttechnische Vorgaben entnommen werden. Im nächsten Schritt arbeiten wir mit unserem technischen Dienstleister, in diesem Fall mit PRG XL Video, um genauere Pläne zu erstellen. Diese überarbeitete Version nehmen wir dann als Grundlage, um mit den verschiedenen Lichtdesignern in Kontakt zu treten und ihre Anforderungen im Hinblick auf das geplante Rigg zu besprechen.

Im weiteren Verlauf kommt das Visualisierungsteam mit dazu und wir klären zusätzliche Produkte, die die Bands selber einbringen wollen, wie zum Beispiel zusätzliche Steuerpulte oder Leuchten. Meine Aufgabe als Festival-Lichtdesigner ist es, das Lichtrigg für jeden eintreffenden Künstler vorzubereiten und sicherzustellen, dass alles da und bereit ist.

Wie arbeitest du mir Vickie Claiborne von PRG zusammen, die hier bei RiR für die Visualisierungs-Suite zuständig ist?

Terry: Vickie und ich sind bereits zu Beginn des Prozesses in Kontakt getreten. Wichtig war uns, dass wir einen Workflow erstellen mit dem wir beide gut arbeiten können. Das Teilen von Informationen ist gerade bei den vielen Gewerken und eingebundenen Personen sehr wichtig. Vickie ist sehr professionell und kennt die Branche bestens. Da Vickie den FOH bei Rock in Rio Las Vegas betreut hat, kennt sie sowohl das Festival als auch mich sehr gut. Das spart Zeit und macht vieles einfacher.

Gibt es dieses Jahr bei Rock in Rio Neuheiten?

Terry: Ja, die Electronica-Bühne ist zum Beispiel neu. Wir von WBD waren von Beginn an involviert und konnten viel kreativen Input einbringen. Ebenfalls neu ist die VIP-Area hier in Lissabon, die Platz für rund 2.000 Besucher bietet. Der Blick über das Festivalgelände ist spektakulär und natürlich wird den Besuchern dort etwas Einzigartiges geboten. Man könnte es mit dem Motto „Corporate hospitality meets rock’n roll festival“ beschreiben.

Wird der Meilenstein des 30-jährigen Jubiläums von Rock in Rio besonders gefeiert?

Terry: Ja, es gibt eine Reihe von Highlights. Zum einen wird es ein noch größeres Festival in Rio de Janeiro geben und zum anderen kommen große Bands und Sänger der letzten 30 Jahre zurück auf die ikonische RiR-Bühne. Dazu zählen unter anderem Queen, eine der ersten Bands, die bei Rock in Rio dabei waren und jetzt mit Adam Lambert + Queen dabei sind sowie auch Bruce Springsteen.

Ein weiteres Highlight ist eine Show im Amazonas, bei der gleichzeitig 1 Million neue Bäume gepflanzt werden.

Wie bist du Lichtdesigner geworden?

Terry: Ehrlich gesagt war es gar nicht mein Plan, Lichtdesigner zu werden. Als Kind hatte ich mein Glück als Schauspieler versucht, konnte aber nicht durch großes Talent überzeugen. Mein Selbstvertrauen nahm ab und mein Agent bot mir an, dass ich zur Abwechslung mal den Verfolger bei einer Show bedienen könnte. Das habe ich dann auch getan und es gefiel mir sehr gut. Daraufhin habe ich regelmäßig den Verfolger in unserem örtlichen Theater bedient. Als ich erfuhr, dass ich Licht und Technik für Theater im College studieren konnte, war ich Feuer und Flamme. Im College habe ich mich auf Sound Design und Stage Management spezialisiert. Lichttechnik war zu diesem Zeitpunkt gar nicht mein Ziel. Nach dem College war allerdings das Geld knapp und ich war froh, dass es viele Jobs im Bereich Lichttechnik gab; die ich natürlich gerne angenommen habe.

1999 habe ich dann am Millennium Dome in London gearbeitet und bin zum ersten Mal auf Patrick Woodroffe and Adam Bassett gestoßen. Zu diesem Zeitpunkt war Adam der Assistent von Patrick, der als Lichtdesigner arbeitete. Ich war als Mitglied der Crew da und hatte mit keinem der beiden viel zu tun. Einer meiner Jobs war es, jede einzelne Leuchte im Dome mit einer Wasserwaage auszurichten. Ich habe dafür mehrere Tage gebraucht. Mir wurde gesagt, dass die Anfrage für diesen Job von Adam Bassett höchst persönlich kam. Bis zu diesem Tag beteuert Adam - also 16 Jahre später - dass er das nie in Auftrag gegeben hat. Wie auch immer, Adam und ich trafen uns, wurden Freunde und aufgrund meiner Erfahrung im Bühnen- und Production-Management , habe ich als Projekt Manager mit Adam zusammengearbeitet.

Mein Background ist also eher auf der Produktionsseite aber mein Karrierewunsch und hoffentlich auch meine Zukunft liegen im Lichtdesign. Dank meiner Erfahrungen in der Produktion verstehe ich den Wert eines Lichtes, ich verstehe was der Kunde in Bezug auf Kosten und Zeitpläne durchmacht und ich verstehe die Lage der Crew, wenn sie die Leuchten an den Traversen anbringen, hoch in das Rigg klettern und so weiter - denn ich war auch mal einer von ihnen. Bei WBD lerne ich von zwei der besten Lichtdesigner und ich schätze mich wirklich glücklich.

Kannst du dich noch an deinen ersten Job mit PRG erinnern?

Terry: Mein erster nennenswerter Job aus lichttechnischer Sicht mit PRG war bei den Filmfestspielen in Doha, Qatar - dem Doha Tribeca Film Festival in 2009. Es war eine große Show, bei der wir knapp 6000 Leuchten zum Einsatz kamen, eine 100 Mann Crew vor Ort hatten und zwei Antonovs brauchten. PRG in Birmingham war komplett leer geräumt. Angeblich haben sie die Chance genutzt, um den Boden zu streichen.

Mit deiner Erfahrung als Verfolger-Operator, was ist deine Meinung zum GroundControl FollowSpot-System von PRG?

Terry: Ja, ich hatte die Chance, das GroundControl FollowSpot-System bereits in der Entwicklungsphase zu testen. Ich war beruflich in Amerika und wurde von PRG eingeladen, das System zu sehen. Es ist ein fantastisches Produkt für unsere Branche. Es erlaubt Designern, einen Verfolger an neuen und vorher unzugänglichen Orten zu positionieren; solange wir einen Bad Boy Spot an den Traversen befestigen können, können wir auch mit einem Verfolger arbeiten. Wir müssen uns keine Sorgen darüber machen, wie und wo wir einen Operator hoch und runter bringen sowie einen Plan parat haben, um ihn ggf. zu retten. Das System macht die Arbeit mit Verfolgern viel einfacher und vielseitiger in der Anwendung. Das einzige ist der Service des Bad Boys, wie bei allen anderen Moving Lights auch.

Zum anderen ist es eine innovative Erfindung, die uns zeigt in welche Richtung sich die Branche bewegt. Eine Kamera, die an der Lampe befestigt ist und dem Operator, der sicher am Boden steht, die volle Kontrolle über seinen Verfolger gibt; das ist wirklich toll. Zudem kann die Lichtfarbe verändert werden. Die ursprüngliche Handhabung des Verfolgers ändert sich dabei nicht wirklich. Auch wenn es keine komplett neue Erfindung ist, ist die Kombination aller Eigenschaften in einer Einheit sehr interessant und zukunftsweisend.

Woher kommt deine Leidenschaft für die Arbeit als Lichtdesigner?

Terry: Wenn bei einer Show alles zusammenkommt, die Musik und das Licht im Einklang sind und alles so klappt wie man es sich vorgestellt hat, dann ist das ein gutes Gefühl. Es kommt auf die Details an, die zusammen das ganze Erlebnis ergeben. Wenn alle Leuchten im Takt des Beats von Blau zu Rot wechseln, dann ergeben sich Szenen, die begeistern. Wenn man als Lichtdesigner mit dem Kunden oder beim Publikum stehst und die Show erfüllt ihre Aufgabe und kriegt eine positive Resonanz, dann ist das eine Anerkennung deiner Kreativität.

Als Lichtdesigner kann das Leben auch mal einsam werden. Bei Shows bist du bis spät in die Nacht da, du arbeitest unter viel Stress und du musst Erwartungen erfüllen. Viele Lichtdesigner arbeiten alleine, ich habe zum Glück ein Team von fünf Leuten, mit denen ich mich austauschen kann. Das hilft mir ungemein. Für mich zählt auch die Crew, mit der ich arbeite. Als Lichtdesigner kann man ein riesen Budget haben, aber es kommt auf das Team um dich herum und im Hintergrund an. Die Crew hilft dir dabei, einen Job zur Zufriedenheit abzuliefern. Ich kann mich wirklich glücklich schätzen, die PRG-Crew in Lissabon dabei zu haben. Bei jeder Wetterlage werden Kabel von A nach B getragen, zusätzliche Kabelgraben gegraben und immer ist alles sehr professionell. Ohne diesen Einsatz könnte ich nicht das tun, was ich tue.

Kannst du privat noch eine Show genießen, ohne dir das Licht genau anzusehen?

Terry: Ich müsste lügen, wenn ich sage, dass ich eine Show angucken könnte, ohne auf das Licht zu achten. Aber ich habe gelernt, die gesamte Show zu genießen. Als Lichtdesigner schätze ich dennoch das Licht einer Show und ich habe von anderen Lichtdesignern und ihren Shows viel gelernt. Licht ist nur ein Aspekt einer Show und es ist wichtig das Licht, den Sound und den Künstler zusammenzubringen.

Hier in Lissabon bei Rock in Rio haben wir ein Feuerwerk vor dem Auftritt des Main Acts. Es wäre natürlich einfach, mit 300 Moving Lights eine riesige Show zu kreieren aber das Lichtdesign sollte das Feuerwerk unterstützen und es widerspiegeln. Es ist wichtig, dass das Feuerwerk das Licht leitet und eine Symmetrie zwischen beiden geschaffen wird. 

(Mit freundlicher Genehmigung übernommen von Event Elevator - www.eventelevator.de)


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